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April 2009: FSC-Audit zur Lohe

Lohe: Bürger erwirkt FSC-Audit zum Lohe-Kahlschlag
Naturschutzwart spricht von Gefälligkeitsgutachten

Wentorf/Wohltorf. Nach dem Holzeinschlag in der Wentorfer/Wohltorfer Lohe vom Winter 2007/2008 war bekannt geworden, dass die Bundesforsten, Besitzer der Lohe und verantwortlich für die von Besuchern und Naturschutzverbänden heftig kritisierte Maßnahme, seit Februar 2006 im Besitz des FSC-Zertifikats für die Waldflächen der Lohe sind. Das Siegel des Forest Stewardship Council (FSC) wird Forsten auf Grund einer Bewirtschaftungsweise nach ökologischen Grundsätzen zugeteilt. Für FSC-zertifiziertes Holz werden in der Regel höhere Preise erzielt.

Vielen Beobachtern der Fällarbeiten war allerdings gerade die unökologische Arbeitsweise der Bundesforsten aufgefallen. Einem der Kritiker, Anlieger aus Wohltorf, ließ die Diskrepanz zwischen FSC-Grundsätzen und der Holzentnahme keine Ruhe. Er mahnte bei der für die Kontrolle zur Einhaltung der FSC-Regeln zuständigen GFA Consulting Group in Hamburg so lange eine Stellungnahme an, bis diese einen Auditor schickte. Das Auditing fand schon im Januar statt. Begleitet wurde der Auditor von zwei hochrangigen Bundesförstern: Jürgen Rost aus Berlin und Christoph Neuser aus Hannover. Vertreter der Kreisnaturschutzbehörde und Naturschutzwart Klaus Tormählen aus Börnsen wurden als unerwünscht ausgeladen. Der im Februar erstellte Audit-Bericht gelangte erst Ende März nach wiederholtem Anmahnen bei der GFA in die Hände des Wohltorfer Bürgers. Dieser stellte das Papier zur Begutachtung dem Forstamtmann i.R. Peter Ohff aus Mölln und dem Naturschutzwart zur Verfügung.

Die Stellungnahmen von Ohff und Tormählen liegen jetzt vor. Nach Ansicht von Klaus Tormählen, der maßgeblich an den Aktionen zur Rettung von Bäumen während der Fällmaßnahmen beteiligt war, ist der Bericht geprägt von der Handschrift der Bundesförster. Tormählen: „Die GFA hat die Gültigkeit des FSC-Siegels nach dem Audit als korrekt bestätigt. Das ist für mich nicht nachvollziehbar. Immer wieder ist in dem Bericht von Knickpflege, Waldrandpflege und Verkehrssicherungspflicht die Rede. Das sind dieselben Worte, die wir von Herrn Neuser schon vor einem Jahr gehört haben. Herr Neuser konnte uns aber nicht erklären, wieso Verkehrssicherung auch dort notwendig ist, wo keine Besucher hinkommen. Er wusste auch keine Antwort, wieso Waldrandpflege identisch ist mit einer kompletten Abholzung der Waldränder und warum Baumreihen mit alten Eichen Knicks sein sollen. Das FSC-Siegel soll eine nachhaltige Bewirtschaftung garantieren. Die Bundesforsten haben aber die eineinhalb Jahre nach dem Erwerb überhaupt nicht be-wirtschaftet, sondern nur entnommen. Das Gutachten ist eindeutig ein Gefälligkeitsgutachten für die Bundesforsten, die einen vorher eingegangenen Holzliefervertrag einhalten mussten. Unser Vertrauen in FSC-zertifiziertes Holz ist stark in Mitleidenschaft gezogen."

Die Beurteilung des Audit-Berichts durch Peter Ohff ist vernichtend. Ohff: „In dem Bericht ist immer wieder von Waldrandpflege und Verkehrssicherheit die Rede. Von Waldrandpflege kann mit Sicherheit nicht gesprochen werden, wenn schematisch der gesamte Traufmantel eines Bestandes radikal entfernt wird. Diese Maßnahme ist so unprofessionell, dass es verwundert, wenn Forstleute so etwas denken und planen können. Dieses ist ein so gravierender Verstoß gegen jedes forstliche Grundwissen, dass eine Zertifizierung ihren Sinn verliert, wenn sie einen solchen Missstand nicht deutlich genug benennt. Auf der Südseite eines 45-jährigen Fichtenbestandes ist der gesamte Laubholztrauf beseitigt worden. Der hierfür verwendete Begriff Traufeerneuerung ist Ausdruck eines unangebrachten Sarkasmus. Wenn mit dem Argument der Verkehrssicherheit in der Lohe über jeden angemessenen Rahmen hinaus gehandelt wurde und regelmäßige Sicherheitskontrollen in der Vergangenheit offenbar unterblieben sind, dann wird dies mit Recht als Verstoß gegen den FSC-Standard gewertet."

Tormählen ergänzt: „In dem Bericht findet sich auch allerhand Unsinn. So schreibt der Auditor, dass er in zweieinhalb Stunden 79 Besucher gezählt habe. Das soll sicher die Argumentation Verkehrssicherheit erhärten. So viel Besucher hat die Lohe nicht. Außerdem hat der Auditor eine Fichte mit Christbaumschmuck gefunden und ausführlich beschrieben. Ich frage mich: Was haben diese Anmerkungen mit einem FSC-Audit zu tun?"