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Hier finden Sie alle Grünen Blätter, plus Zusatzmaterial

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Escheburgs Grüne Blätter - Ausgabe Dezember 2020

Escheburgs Grüne Blätter - Ausgabe August 2020

Mit Frank Krauses Wahl zum Bürgermeister am 11. August füllt erstmals ein Grüner dieses Amt in Escheburg aus. In unserem neuen Grünen Blatt stellen wir Ihnen unseren neuen Bürgermeister noch einmal vor.

Darüber hinaus enthält es Informationen zu den Baugebieten, zu den weiteren Schwerpunkten unserer Arbeit sowie zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Escheburg. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen.

 

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Escheburgs Grüne Blätter - Ausgabe Dezember 2019

 

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Escheburgs Grüne Blätter - Ausgabe Mai 2019

Europa ist in der Krise - das zumindest können wir in den letzten Monaten immer wieder hören und lesen Und es gibt durchaus Anzeichen dafür, die diese Behauptung zu bestätigen scheinen: der bevorstehende Austritt Großbritanniens aus der EU, das Erstarken nationalistischer Kräfte in einigen europäischen Staaten und die Schwierigkeit der Europäischen Union eine gemeinsame Position im Umgang mit der massenhaften Flucht von Menschen in Not nach Europa zu finden. Vergessen wird bei dieser Sichtweise, was die Europäische Union tagtäglich für uns leistet, welche Vorteile sie für unser heutiges Leben bietet. Sicher aber ist, dass wir für dieses Europa und die Idee, die mit der Europäischen Union verbunden ist, tatkräftig eintreten müssen. Wir müssen unsere Stimme erheben - das nächste Mal bei der Europawahl am 26 Mai. Um die Idee der Europäischen Union und deren Bedeutung sichtbar zu machen und damit für die Teilnahme an der Europawahl zu werben, haben wir den Schwerpunkt unseres GRÜNEN BLATTES diesem Thema gewidmet Viel Spaß beim Lesen!

 

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Und wie siehst Du Europa?

Uns interessiert immer wieder der Blick junger Menschen auf verschiedene Themen. Gerade bei einem Zukunftsthema wie Europa werden Weichen gestellt, die im Besonderen auch ihr weiteres Leben betreffen. Hier ein weiteres Interview, das wir zu diesem Thema geführt haben..

 

GB: Stellt euch doch bitte kurz vor.

Wer bist du, wie alt bist du und was machst du aktuell? Ich bin Paul Nagel, 21 Jahre alt und studiere zurzeit Politikwissenschaft mit Geschichte im Nebenfach an der Uni Freiburg.

GB: Was verbindest du mit dem Begriff „Europa“ bzw. der „Europäischen Union“?

Ich verbinde damit vor allem den Komfort auf Reisen, dass keine Grenzkontrollen stattfinden und man kein Geld wechseln muss. Von einem europäischen Gemeinschaftsgefühl kann ich bei mir persönlich nicht sprechen, aber ich habe zumindest das Gefühl, dass die europäische Zusammenarbeit der Länder einen guten Einfluss darauf hat, dass man innerhalb von Europa erstmal keine Kriege zu befürchten hat.

GB: Welche persönlichen Erfahrungen hast du mit Europa oder mit anderen Nationen in Europa gemacht (z.B. bei Austauschreisen mit der Schule, durch private Reisen o.ä.)

Ich war in den letzten Jahren immer mal wieder im europäischen Ausland unterwegs. Der Einfluss der europäischen Union ist mir dabei aber nicht bewusst aufgefallen, vermutlich deswegen, weil ich es nur so kenne, dass ich ohne Probleme in die Nachbarländer reisen kann und dass dort größtenteils die gleichen Gesetze gelten, die auch in Deutschland gelten.

GB: Das Volk in Großbritannien hat vor etwa drei Jahren dafür gestimmt, aus der EU auszutreten. Welche Position hast du zum Brexit?

Ich stand dem Brexit von Anfang an sehr kritisch gegenüber und halte ihn bis heute für eine äußerst unkluge Idee. Ich hatte und habe das Gefühl, dass dem britischen Volk im Vorfelde des Referendums hauptsächlich die Verantwortung der Mitgliedschaft in der EU vorgehalten wurde und über die Vorteile, die diese mit sich bringt, eher geschwiegen wurde. Es wirkt auf mich aber wie eine kaum durchdachte Entscheidung, was man unter anderem dadurch sieht, dass es keinerlei Einigkeit darüber gibt, wie der Austritt nun vonstatten gehen soll und immer wieder die Frage nach einem erneuten Referendum aufkommt.

GB: Das Europäische Parlament hat vor wenigen Wochen eine Änderung des Urheberschutzgesetzes beschlossen. Welche Haltung hast du zu diesem Gesetz und dem Verfahren?

Ich muss gestehen, dass ich mich mit dem Inhalt dieses Gesetzes nicht im Detail auseinandergesetzt habe. Ich muss allerdings sagen, dass ich es als sehr kritisch einschätze, dass die CDU im letzten Wahlprogramm zur Bundestagswahl geschrieben hat, dass sie Uploadfilter als unverhältnismäßige Maßnahme einstufen und deswegen ablehnen und dann der Vorschlag, ebensolche Filter einzuführen, von einem CDU Politiker eingebracht wird. Natürlich ist zwischen Bundes- und Europapolitik zu differenzieren und dazukommt, dass die Politiker über freie Mandate verfügen. Trotz-dem denke ich, dass eine Partei sich nicht derartig widersprechen sollte.

GB: Seit einigen Monaten demonstrieren Schüler*innen in ganz Europa jeden Freitag unter dem Titel „Fridays for Future“. Hast du dich schon an diesen Demonstrationen beteiligt und stimmst du den Forderungen der Schüler*innen zu?

An den Demonstrationen habe ich mich noch nicht beteiligt. Trotzdem finde ich es ein sehr starkes Zeichen, das die Schülerinnen und Schüler mit diesen Protesten setzen. Es wird tatsächlich Zeit, dass die Politik anfängt, die Wichtigkeit von Umweltpolitik höher zu gewichten und sich nicht weiter davor scheut, auch wirtschaftliche Einbußen hinzunehmen, um das Bestehen das Planeten zu sichern.

GB: Worin siehst Du die Vor-, worin die Nachteile einer großen Staatengemeinschaft wie der Europäischen Union?

Vorteile sehe ich auf jeden Fall darin, dass die Solidarität gestärkt wird und ein Sicherheitsgefühl unter den benachbarten Staaten entsteht. Zudem bieten die gemeinsame Währung und die Zollfreiheit Vorteile für jeden Einzelnen. Allerdings denke ich, dass das Projekt Europa noch starken Verbesserungsbedarf hat. So sind viele der Entscheidungen, die in Brüssel oder Straßburg gefällt werden, keineswegs transparent. Dass sich alle Staatsoberhäupter in einem Raum versammeln und niemand weiß, was in diesem Raum vorgeht und am Ende nur das Ergebnis bekannt gegeben wird, lässt sich meines Erachtens nach nicht mit der für eine Demokratie notwendigen Transparenz in Einklang bringen. Zudem kann man sich meines Erachtens sowieso darüber streiten, wieviel eine derartige Praxis noch mit Demokratie zu tun hat. Weiterhin ist auch der Einfluss von Lobbygruppen keineswegs transparent gestaltet, sodass den Wählern nicht klar sein kann, ob die Politiker aufgrund ihrer eigenen Überzeugungen oder aufgrund der Interessen der Wirtschaft ihre Entscheidungen fällen.

GB: In einigen EU-Staaten werden durch nationalistische und rechtspopulistische Tendenzen auch seitens der Regierungen gemeinsame Werte und Ziele infrage gestellt. Wie beurteilst du dies?

Ich sehe darin eine große Gefahr. Meines Erachtens sollte es heutzutage doch völlig klar sein, dass man gemeinsam mehr erreichen kann, als wenn jeder für sich arbeitet beziehungsweise gegeneinander gearbeitet wird. Zudem wird den rechtspopulistischen Parteien dadurch in die Hände gespielt, dass fast ausschließlich über die Themen berichtet wird, in denen diese eine kontroverse Haltung vertreten. Wenn man sich das mal am Beispiel der Flüchtlingsproblematik und der AfD anguckt, kann man leicht argumentieren, warum das so kritisch ist. Erstens wird in der Bevölkerung dadurch, dass so viel über dieses Thema berichtet wird, das Gefühl gestärkt, dass dieses Thema wirklich von hoher Wichtigkeit sei und tatsächlich die Ursache hinter den Problemen des Landes sein könnte. Zum zweiten wird kaum über andere Themen, die von viel höherer Wichtigkeit wären, wie Bildungs-, Sozial- oder Umweltpolitik gesprochen.

GB: Was wünscht du dir von der Politik in Bezug auf die Weiterentwicklung der Europäischen Union?

Ich wünsche mir, dass die Zusammenarbeit weiter ausgebaut wird und dass die Entscheidungsprozesse transparenter und demokratischer gestaltet werden. Dazu zählt für mich auch, dass an der Verdrängung wirtschaftlicher Einflüsse auf die Politik gearbeitet wird und dass Politik im Sinne der Menschen und nicht im Sinne großer Unternehmen gemacht wird.

GB: Spielt in deinen Zukunftsplänen Europa bzw. die Freizügigkeit in Europa (z.B. im Studium) eine Rolle?

Wie sieht deine Zukunftsplanung aus? Ich habe meine Zukunft nach dem Studium noch nicht weiter geplant, von daher kann ich zu der mögliche Rolle Europas darin noch nichts sagen.

GB: Wenn du an die Europawahl am 26.05. denkst. Was geht dir durch den Kopf?

Dass die Menschen bitte vernünftig sein sollen und nicht die Menschen wählen, die trotz ihrer Abneigung gegen die EU einen Sitz im europäischen Parlament wollen.

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Escheburgs Grüne Blätter - Ausgabe März 2019

Immer einmal wieder treiben uns im GRÜNEN Escheburger Ortsverband Themen um, die über unsere Gemeindegrenzen hinausgehen und eher grundsätzlicher Natur sind. So war es im Dezember 2016 der zunehmende Populismus, dem wir ein komplettes GRÜNES BLATT widmeten. Nun haben wir uns eines anderen, uns mit Sorge erfüllenden Themas angenommen: dem weitweiten Rückgang der Wildinsektenpopulation, ihrer Ursachen und ihrer Folgen – und, um wieder auf Escheburg und uns selbst zurückzukommen, Überlegungen angestellt, wie jeder Einzelne von uns dazu beitragen kann, dieser Entwicklung entgegenzutreten. Viel Spaß beim Lesen!

 

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Escheburgs Grüne Blätter - Ausgabe Dezember 2018

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Escheburgs Grüne Blätter - Ausgabe März 2018

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Escheburgs Grüne Blätter - Ausgabe November 2017

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Escheburgs Grüne Blätter - Ausgabe Mai 2017

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Escheburgs Grüne Blätter - Ausgabe Dezember 2016

Als „Flüchtling“ in Escheburg: Ein Erfahrungsbericht

Fortführung der Geschichte "Als „Flüchtling“ in Escheburg: Ein Erfahrungsbericht" von der Seite 1+ 2 aus Escheburgs Grüne Blätter Ausgabe Dezember 2016.

Die Flüchtlingszahlen in Deutschland gehen zurück und das ist natürlich auch in Escheburg spürbar. Auf der letzten Einwohnerversammlung im November wurde von Herrn Jakob (Amt Hohe Elbgeest) berichtet, dass sich im Amtsgebiet die Zuweisungen derzeit mit den "Abgängen" die Waage halten. Unter "Abgängen" sind dabei die nicht anerkannten Flüchtlinge, die unser Land wieder verlassen müssen, aber vor allem auch die anerkannten Personen zu verstehen, die ein befristetes Bleiberecht erhalten haben.

Viel wird über Flüchtlinge geschrieben. Wir möchten in diesem GRÜNEN BLATT einen Flüchtling zu Wort kommen lassen, der seit September 2015 hier in Escheburg lebt. Taha kommt aus Syrien und ist 23 Jahre alt. Wir haben uns sehr gefreut, dass er uns seine Geschichte erzählt hat und wir sie hier weitergeben dürfen. Er hat ausdrücklich genehmigt, seinen Namen zu nennen, denn er wünscht sich, dass seine Geschichte den vielen Helfern und Freunden Mut macht, auch weiterhin für die Flüchtlinge da zu sein.

Taha wurde in Damaskus geboren. Seine Eltern und zwei älteren Brüder leben noch immer dort. Sie verdienen sich ihren Unterhalt als Taxifahrer, Schneider oder Friseur. Nach der Schule hat Taha eine Ausbildung als Computertechniker gemacht, d.h. er lernte Computer zu reparieren und zu konfigurieren. Die Ereignisse des Arabischen Frühlings 2011 führten in Syrien zu einer verschärften Situation für die Bevölkerung. Im Sommer 2012 begann der syrische Staat massiv gegen "Terroristen" und Regimegegner vorzugehen. Das war genau die Zeit, in der Taha als junger Mann mit 19 Jahren zum Militärdienst eingezogen werden und für ein Regime kämpfen sollte, hinter dem er nicht stand. Deswegen entschied er sich, das Land zu verlassen, Er ging nach Kairo, wo der Arabische Frühling, so hoffte er, bessere Zeiten bringen würde. Es war für Syrer damals möglich, in Ägypten legal einzureisen und zu arbeiten. Er fand einen Job als Computertechniker und konnte sich so seinen Lebensunterhalt verdienen. Allerdings gab es nach zwei Jahren einen Militärputsch in Ägypten und radikalere Kräfte gewannen in Kairo die Macht und sorgten dafür, dass die Aufenthaltsgenehmigungen nicht unbegrenzt verlängert wurden. Vor allem wurde aber eingeführt, dass eine Verlängerung mehrere tausend Euro gekostet hätte. Das konnte nur bezahlen, wer reiche Verwandte oder Bekannte hatte.

Also musste Taha Ägypten Ende 2014 wieder verlassen. Eine Rückkehr nach Syrien war für ihn nicht möglich. Er musste weiterhin mit großen Repressalien im eigenen Land rechnen. Er ging in den Libanon nach Beirut und schlug sich dort als Handy-Techniker durch. Doch das Land, die Leute und auch die eigenen Perspektiven gefielen ihm nicht, so dass er im Juni 2015 entschied, nach Europa und nach Deutschland zu gehen. Das war persönlich ein schwerer Entschluss - vor allem wegen seiner Familie, die dann noch weiter für ihn entfernt war.

Seine Flucht verlief glücklicherweise unspektakulär. Seine Route führte ihn vom Libanon in die Türkei. Von Izmir aus setzte er per Schlauchboot nach Griechenland über. Von dort ging es auf der Balkan-Route durch Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich bis nach München. Ihm gelang der Weg innerhalb von 10 Tagen bis nach München, wo er dann auch seine erste Berührung mit den deutschen Behörden hatte. Dort wurde er in eine Erstunterkunft aufgenommen und registriert.

Durch Informationen von Freunden und Bekannten und aus dem Internet wusste Taha, dass in Schleswig-Holstein die Asylverfahren vergleichsweise schnell bearbeitet werden. Das war ihm wichtig und daher gab er an, zu einem Freund nach Mölln gehen zu wollen. Er wurde also von München aus in die Erstaufnahmeeinrichtung nach Neumünster geschickt. Mit einem kurzen Umweg über Albersdorf wurde er dann dem Amt Hohe Elbgeest zugewiesen, welches ihn dann in der Containeranlage am Radelsweg untergebracht hat. Im September 2015 hat er dann also nach einem langen Weg (und etwa drei Monaten auf der Reise) erst mal wieder eine dauerhafte Unterkunft gefunden.

Sein erster Eindruck war sehr ernüchternd. Er konnte sich nicht vorstellen, lange dort zu leben. Es gab keine Nachbarn, die Container stehen quasi mitten auf dem Feld - keine Umgebung, die mit dem Trubel der Großstädte Damaskus, Kairo oder Beirut zu vergleichen ist.

Im Container wohnte damals noch eine syrische Familie. Diese hat Taha sehr schnell die wesentlichen Dinge gezeigt wie z.B. das Busfahren oder Einkaufsmöglichkeiten und ihn sehr herzlich aufgenommen. Besonders hat er das Essen genossen. Langsam hat er sich eingelebt.

Mit dem Escheburger Helferkreis, der von Anfang an für ihn da war, hat er die Kleiderkammer kennen gelernt. Bei Behördengängen wurde er unterstützt. Sein wichtigstes Anliegen war und ist es immer noch, besser Deutsch zu lernen. Als Flüchtling bekam er die Möglichkeit, Deutschkurse zu besuchen. Zudem hat er nach den Kursen sehr viel nebenbei gelernt und auch sogenannte "Tandem-Partner" genutzt. Dabei lernt er mit jemandem Deutsch und bringt dieser Person im Gegenzug Arabisch bei. Eine "Win-Win-Situation".

Sport verbindet: Taha hat schon immer gern Fußball gespielt und da lag es nahe, auch hier Kontakt zum ESV aufzubauen. Der Sport ist für ihn ein toller Ausgleich zum Lernen und er versucht möglichst häufig am Training teilzunehmen. Mittlerweile ist ein fester Bestandteil seiner Mannschaft.

Auch das Osterfeuer und der Escheburger Volkslauf gehören zu seinen Erfahrungen. Nach etwa einem Jahr wurde dann endlich ein auf drei Jahre befristetes Bleiberecht ausgesprochen. Insofern konnte sich Taha eine eigene Unterkunft suchen und er darf nun auch eine Arbeit annehmen.

Doch damit ergaben sich die nächsten Schwierigkeiten. Über mehrere Monate hatte er eine Wohnung gesucht, doch nichts für ihn Bezahlbares gefunden. Nur über eigene Kontakte und die Unterstützung von Bekannten war es möglich, in Escheburg eine kleine Wohnung (28qm) zu finden.

Viele Dinge haben sich also im Leben von Taha positiv entwickelt. Er freut sich heute, den großen Schritt von Syrien nach Deutschland gewagt zu haben und er sieht in jedem Fall seine persönliche Zukunft in Deutschland. Nun wird er versuchen, eine Arbeit zu finden. Mit einem Praktikum bei einem Computerhandel aus Börnsen hat er auch hierfür erste Schritte unternommen.

Aber natürlich erreichen auch ihn immer wieder die schrecklichen Nachrichten aus Syrien, welche ihm weiterhin große Sorgen bereiten. Und er fürchtet, dass sich die allgemeine Lage für Asylsuchende in Deutschland verschlechtern wird. Das wird seine persönliche Integration erschweren.

Auf die Frage, wie er denn nun die Menschen in Deutschland und hier in Escheburg erlebt hat, antwortet er durchweg positiv. Er findet, dass sich 95% positiv und aufgeschlossen ihm gegenüber verhalten. Die übrigen 5% erlebt Taha als reservierter und ausgrenzend. Dies sei aber eben deutlich die Minderheit. Ala am meisten störend empfindet Taha die Bürokratie in unserem Lande. Aber mit dieser Meinung steht er bestimmt nicht allein.

Wir freuen uns jedenfalls, so aufgeschlossene, junge Männer in unserer Gemeinde zu haben. Und wir freuen uns, eine so positive Entwicklung zu sehen, die wir uns noch viel häufiger wünschen würden.

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Escheburgs Grüne Blätter - Ausgabe September 2015

Escheburgs Grüne Blätter - Ausgabe März 2015

Deutschland - eine zweite Heimat

Fortführung der Geschichte "Deutschland - eine zweite Heimat" von der Seite 2 aus Escheburgs Grüne Blätter Ausgabe März 2015.

In der Vorbereitung auf dieses Grüne Blatt hatten wir Gelegenheit, mit einem Ehepaar zu sprechen, dass vor mehr als 25 Jahren aus Afghanistan floh und seitdem in Deutschland lebt. Daoud und Leili (Namen geändert), die sich erst in Hamburg kennen gelernt haben,  leben gemeinsam mit ihren zwei Kinder in einer Doppelhaushälfte im sogenannten Speckgürtel von Hamburg. Beide arbeiten im Dienstleistungsbereich und sind Teil ihrer dörflichen Gemeinschaft. Familie ist ihnen als Wert besonders wichtig – das ist Umgang miteinander genauso spürbar wie in den Erzählungen über die eigene Geschichte(n) und das Leid, das ihre Familien haben erfahren müssen. Beide haben uns mit großer Offenheit, aber immer auch mit Stocken bei der Erinnerung an lange zurückliegende Schicksalsschläge ihre Lebensgeschichte(n) erzählt.

Leili verließ gemeinsam mit ihrer Mutter und ihren beiden Schwestern im Jahre 1989 im Alter von sieben Jahren ihr Zuhause in Kabul, nachdem der Vater auf einer geschäftlichen Autofahrt gemeinsam mit sechs anderen Männern vermutlich von Angehörigen der Mudschaheddin überfallen wurde. Einige der Mitreisenden wurden sofort getötet, andere wurden verschleppt. Bis heute hat sie nicht erfahren, was mit ihrem Vater damals geschehen ist. Leilis Erinnerung an das Leben ihrer Familie zu dieser Zeit in Afghanistan ist geprägt durch den Krieg zwischen sowjetischer Besatzung bzw. durch die Sowjetunion gestützter Regierung einerseits und den Mudschaheddin, die diese Fremdherrschaft bekämpften. Sie erinnert keinen Tag ohne Bombeneinschläge oder Raketenbeschuss.  Jeden Tag, so sagt sie, hat sie gebetet, dass die Bomben ihr Haus nicht treffen mögen. Viele Ihrer Verwandten war die Flucht schon geglückt, da sie neben der ständigen Angst vor den Folgen des Krieges keine Perspektive für ihre Kinder in Afghanistan gesehen haben. Aufgrund glücklicher Umstände erhielten Leili, ihre Schwestern und ihre Mutter 1989 Pass und Visum, um zu einem in Jugoslawien lebenden Verwandten ausreisen zu können.  Ein in München lebender Onkel fuhr dann mit ihnen zur Grenze zwischen Jugoslawien und Österreich, die sie, fast wie durch ein Wunder, zu Fuß unbehelligt überqueren konnten. Nachdem sie auch die österreichisch-deutsche Grenze ohne Kontrollen passieren konnten, lebten sie für eine kurze Zeit in München. Dann fuhren sie zu einem Onkel nach Hamburg, bei dem sie drei Monate mit dessen fünfköpfiger Familie in einer kleinen Wohnung in Wandsbek wohnten. Nach drei Monaten beantragten sie Asyl und mussten in eine Flüchtlingsunterkunft in Bergedorf an der August-Bebel-Straße umziehen. Dort lebten sie unter primitiven räumlichen und hygienischen Bedingungen in der ständigen Angst, abgeschoben zu werden. Alle ein bis drei Monate musste sie gemeinsam mit Mutter und Schwestern zur Ausländerbehörde, um ihr Visum zu verlängern. Mittlerweile konnten sie und ihre Schwestern eine Schule besuchen. Erst nach Abschluss ihrer Ausbildung und weil sie ein unbefristetes Arbeitsverhältnis vorweisen konnte, erhielt sie ein dauerhaftes Bleiberecht und den deutschen Pass. Ihre Mutter lebte bis vor einem  Jahr in Furcht, in das Land zurückkehren zu müssen, in dem sie Krieg und Terror erlebt hatte und erneut von Familienangehörigen getrennt zu werden. Auch sie hat nun endlich die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten.

 

Ihr Ehemann, Daoud, erzählte uns von dem Tag, an dem sein Onkel und sein Vater die Warnung erhielten, dass die Mudschaheddin ihr Heimatdorf aufsuchen würden, um – unterstützt von den Imamen des Dorfes –  gezielt Männer aus ihren Häusern zu holen und entweder zu verschleppen oder sofort zu exekutieren. Ziel dieser Aktion war,  die mutmaßliche  Bildungselite des Dorfes zu treffen.  Der Vater floh mit dem Onkel Hals über Kopf und konnte so seinen Schärgen entkommen. Da die Mudschaheddin seines Vaters nicht habhaft werden konnten, rächten sie sich an Daouds Großvater und prügelten diesen zu Tode. Die Großmutter floh daraufhin gemeinsam mit ihrem Enkel in die nahegelegene Stadt, um dort Unterschlupf zu finden.  Als sie Nachricht von seinem Vater erhielten, reiste Daoud mit seiner Oma nach Masar-i-Sharif, wo der kleine Junge in einer Süßigkeitenfabrik arbeitete. Hier konnte Daoud zu einer technischen Schule gehen, die für die ansässige Gasförderindustrie ausbildete. Auf Grund seiner hervorragenden Noten erhielt Daoud die Möglichkeit, 1987 in die Tschechei auszureisen und eine Ausbildung im Maschinenbau zu beginnen. Mit dem erworbenen Diplom sollte Daoud dann wieder nach Afghanistan zurückkehren. Er jedoch setzte sich nach Abschluss der Ausbildung in einen Bus nach Hamburg, wo er einen Asylantrag stellte. Noch minderjährig, traumatisiert und verzweifelt  wurde er gemeinsam mit anderen Flüchtlingen verschiedener Herkunftsstaaten in einem Hotel am Steindamm in einem fensterlosen Raum untergebracht. Eine leichte Verbesserung seiner Situation brachte die anschließende Unterbringung in einer Jugendwohnung und der Besuch einer Berufsvorbereitungsklasse. Dort fiel er durch seine Wissbegierde und seinen Fleiß einer Lehrerin auf, selbst Mutter dreier Kinder. Diese Begegnung bedeutete einen neuerlichen Wendepunkt in seinem Leben.  Es entwickelten sich Nähe und Freundschaft;  die Familie bot ihm schließlich an, ihn zu adoptieren, auch um seine drohende Abschiebung zu verhindern. Nach Abschluss der Schule begann er eine Ausbildung als Erzieher und arbeitet seit 15 Jahren in diesem Beruf. Daoud sagt bewegt, dass seine neue Familie ihm geholfen hat, seine ständigen Alpträume zum Schweigen zu bringen.  Er hat in den letzten knapp dreißig Jahre sein halbe Familie verloren, die meisten durch Terror und Krieg, seine Mutter an den Folgen einer Krebserkrankung. Doch er hatte auch das Glück, nach Terror, Krieg und schwerster Traumatisierung auf Menschen zu treffen, die ihm durch Gespräche, Schutz und Unterstützung halfen, einige der erlittenen Wunden zu heilen. Daoud erzählte auch, dass wenige Bekannte aus seiner Zeit in Afghanistan, deren Weg er später verfolgen konnte, dieses Glück hatten, sich eine neue Perspektive aufbauen zu können. Viele seien gescheitert und hätten nicht die Kraft gefunden, sich hier zu behaupten und den Alltag zu bewältigen.

Sein Vater lebt nach wie vor in Afghanistan. Er hat ihn seit knapp dreißig Jahren nicht gesehen. Ein auch nur kurzer Besuch hier in Deutschland scheitert daran, dass das deutsche Konsulat ihm eine Einreise nach Deutschland nicht gestattet, da er keine Güter vorweisen kann, die es wahrscheinlich erscheinen lassen, dass er auch wieder nach Afghanistan ausreist.

Leili und Daoud sind sich der Chance, die sich ihnen in Deutschland geboten hat sehr bewusst. Mit ihren beiden Kindern fühlen sie sich in Deutschland mittlerweile sehr wohl. Deutschland ist ihre zweite Heimat geworden.  Wichtig ist ihnen, ihren Kindern den Respekt vor den beiden verschiedenen Kulturen zu vermitteln, in und mit denen sie leben. Sie selbst wie auch ihre deutsche Adoptivfamilie erfahren die verschiedenen Kulturen und die verschiedene Herkunft als Gewinn und ein gegenseitige Bereicherung.

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