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Mölln, 1.4.2009

Bericht einer außerplanmäßigen Überprüfung (Audit) der Wentorfer Lohe im Bezug auf die FSC-Standards zur Waldbewirtschaftung.

Stellungnahme von  Forstamtmann i.R. Peter  Ohff,  Doktorhof 2, 23879 Mölln, Tel. 04542 - 85 43 54

Dieser außerplanmäßige Ortstermin in der Lohe  kam erst zustande, nachdem interessierte Bürger den Zertifizier (GFA) auf Verstöße gegen geltende FSC-Standards aufmerksam machten und erfolgte am 22.1.2009.

An diesem Termin nahmen von Seiten der Bundesforst erstaunlicherweise nicht teil der für die Lohe zuständige Revierleiter und auch nicht der Leiter der Bundesforsthauptstelle Plön. Beide sind zuständig für das operative Geschäft und damit verantwortlich für die Vorgänge in der Lohe im Winter 2008.

Diesen Termin wurde von Seiten der Bundesforst offensichtlich so große Bedeutung beigemessen, dass hauptverantwortliche Vertreter übergeordneter Dienststellen aus Berlin und Hannover  die Interessen des Waldeigentümers wahrnahmen.

Ob in diesem Fall durch geballte Amtsautorität Einfluß  genommen werden sollte, mag dahin gestellt bleiben. Jedenfalls wurde vom Auditor festgestellt, daß Informationen von der Hauptstelle (Forstamt) Plön an die Zentrale in Berlin nur unzureichend weitergegeben wurden.

Die FSC-Zertifizierung bezieht sich in der Lohe allein auf die Waldflächen. Insofern waren die Baumreihen, die das Bild der offenen Landschaft  in besonderem Maße prägen, nicht Gegenstand  dieses Ortstermin. Trotzdem finden sie in diesem Bericht eine kurze Erwähnung, in dem ein zweistufiges Vorgehen festgestellt wird.

In der 1.Phase Knickpflege in  Abstimmung mit der UNB.

2.Phase beschränkt sich auf nötigste Eingriffe im Zuge der Verkehrssicherheit.

Es wird nicht erwähnt, dass diese Mäßigung erst die Folge massiver Proteste aus der Bevölkerung waren.

Die UNB vertritt bis heute die Auffassung, dass es sich hierbei um  fachgerecht durchgeführte Knickpflege handelte. Für die Waldbestände wird in dem Bericht festgestellt, dass die Maßnahme nirgends im Kahlschlag durchgeführt wurden, da der gesetzlich geregelte Grenzwert von 0,30 ha zusammenhängender Flächengröße nirgends erreicht oder überschritten wurde.

Es erscheint in dem Bericht immer wieder der Begriff der Waldrandpflege und der Verkehrssicherheit.

Von Waldrandpflege kann mit Sicherheit nicht gesprochen werden, wenn schematisch der gesamte Traufmantel eines Bestandes an der Nord-, an der Ost- und der Südseite eines ca. 130 jährigen Eichen/Buchen-Bestandes radikal entfernt wird. Diese Maßnahme ist so unprofessionell, dass es verwundert, wenn Forstleute so etwas denken und planen können. Es ist  dieses ein so gravierender Verstoß gegen jedes forstliche Grundwissen, dass jede Zertifizierung Ihren Sinn verliert, wenn sie einen solchen Missstand nicht deutlich genug benennt. Die für diesen Bestand unter der Rubrik -Bemerkungen- gemachte Erläuterung ist unzureichend und z. T. einfach falsch. Es ist hier auf Nachbesserung zu dem vorgelegten Bericht von  Seiten des Auditors zu drängen.

In der Abt.5a2/4 ist auf der Südseite eines ca. 45jährigen Fichtenbestandes der gesamte Laubholztrauf beseitigt worden. Der hierfür verwendete Begriff -Trauferneuerung- ist Ausdruck eines unangebrachten Sarkasmus. Die hier geschlagenen Erlen, Birken und schwachen Eichen gefährdeten keineswegs die Verkehrssicherheit. Auch in anderen Nadelholzbeständen wurden im Zuge der sog. Waldrandpflege gezielt Laubbäume entnommen.

Es liegt der Verdacht nahe, dass mit dem Abnehmer des Holzes lediglich ein Vertrag über Laubholz abgeschlossen wurde. Unschwer ist vorauszusehen, dass der sich daraus ergebende ökologische Schaden Auswirkung hat auf Gesundheit und Sicherheit der betroffenen Bestände.

Der Begriff der Verkehrssicherheit wurde bei den Hiebsmaßnahmen in der Lohe in unangemessenem Umfang in Anspruch genommen. Von allen eingeschlagenen Bäumen waren es nach meiner Beobachtung nur 2 Bäume, die am Stammfuß Fäule aufwiesen. Im Kronbereich fast aller älteren Eichen finden sich Trockenäste. Sie sind im allgemeinen hart und gut verkernt. Da sie nicht die Last grüner Belaubung zu tragen haben, sind sie über Jahrzehnte fest mit dem Stamm verbunden. Fäule und Verwitterung greifen den Ast von der Triebspitze her an. Bei Sturm sind Wälder mit altem Baumbestand ohnehin zu meiden. Der Hubsteigereinsatz in der Lohe zeigte deutlich die gute Verkernung der Eichenäste an der Schnittstelle- kein Hinweis auf Brüchigkeit oder Fäule.

Wenn mit dem Argument der Verkehrssicherheit in der Lohe über jeden angemessenen Rahmen hinaus gehandelt wurde und darüber hinaus in der Vergangenheit regelmäßige Sicherheitskontrollen durch den Forstbetrieb entlang der öffentlichen Straßen und  Hauptwege offenbar unterblieb, dann wird dieses mit Recht als Verstoß gegen FSC-Standards gewertet.

Daß hier nicht, um in der Sprache der Zertifizierer zu bleiben,  ein -Major Car- ausgesprochen wurde, mag der Waldeigentümer erleichtert aufnehmen, freuen sollte es ihn nicht.

Bei dem hier besprochenen außerplanmäßigen Ortstermin am 22.1.2009 in der Lohe wurden durch den Auditor  ein grober Verstoß  und 4 leichtere Verstöße  gegen die Grundlagen der FSC-Standards festgestellt. Sie beziehen sich auf die Vorsorgepflicht des Grundeigentümers gegenüber Ökologie und Umwelt als auch auf die sozialen Aspekte der Waldbesucher zum Wohle von Leib und Leben.

Klarer als die UNB erkannten interessierte Bürger, daß der Wintereinschlag 2008 in seinem Umfang unangemessen war.

Ihnen ist zu danken, dass Schlimmeres verhindert wurde. Gleichwohl sind Enttäuschungen  bei Waldbesuchern und Heimatfreunden über die Art des Umgangs mit dem Wald vor einem Jahr weiterhin zu spüren.

Ihnen  hätte ich gewünscht, dass  der Auditor seinen Ermessensspielraum im Bericht über diesen Waldbegang deutlicher genutzt hätte.

PETER OHFF