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Gravierendes Sicherheitsrisiko im AKW Krümmel

Dezember 2010
Im Sommer hat die Sendung Kontraste (ARD, http://www.youtube.com/watch?v=6KniumsmSMs) aufgezeigt, dass der Reaktortyp Krümmel eine unsichere Schweißnaht besitzt und dass diese vom TÜV nicht geprüft werden kann bzw. will. Wir sind also beim Betrieb, der ja nun wieder aufgenommen werden soll, ständig mit der Gefahr des größten Reaktorunfalls konfrontiert.
 
Die Sendung Kontraste der ARD hat im Juli einen Bericht über einen Reaktortyp gebracht, der vor 40 Jahren in Österreich gebaut und durch Volksentscheid gestoppt worden war. Grund: er war von Fachleuten als Fehlkonstruktion eingeschätzt worden. Der Reaktor sei ein Billigreaktor, bei dem die Sicherheitsanforderungen nicht erfüllt wären. Die Österreicher machten das einzig Richtige: Der Reaktor erhielt keine Betriebserlaubnis. In Deutschland hingegen laufen nahezu baugleich Reaktoren desselben Typs bei Landshut (Isar I), Philippsburg I, Brunsbüttel und Krümmel.

Die Bedenken waren den politischen Entscheidungsträgern in Deutschland damals bekannt. Man rechtfertigte allerdings die Inbetriebnahme mit einem Gutachten des TÜV, der die Kraftwerke für 40 Jahre Laufzeit genehmigte. Die österreichischen Kritiker behielten Recht: In den genannten AKWs mussten immer wieder schadhafte Teile ersetzt oder repariert werden. Das Herz der Anlage, der Reaktordruckbehälter, wurde bis heute aber nirgends getauscht. Und gerade der muss die höchsten Belastungen aushalten. Nach Einschätzung von Fachleuten und neuesten Studien der TU Berlin (Oktober 2010, siehe http://www.risk.boku.ac.at/Schwachstellenbericht_SWR_69.pdf) liegt eine Schwachstelle an einer Schweißnaht im Behälter vor. Diese Naht kann aber vom TÜV nicht richtig geprüft werden, weil von außen nicht zugänglich. Man müsste von innen prüfen, aber das geht nur bei langer Außerbetriebnahme. Wenn es dort zu einem Leck käme, würde die Kühlflüssigkeit austreten und der Reaktor sich überhitzen. Die Kernschmelze wäre da – das Schlimmste, was passieren kann.

Laut Urteil von Experten gibt es daher nur eine Reaktionsmöglichkeit: Außerbetriebnahme. In der ARD-Sendung Kontraste wude gezeigt, dass der TÜV gar nicht prüfen kann und will: Denn der TÜV ist eine AG, also privatwirtschaftlich organisiert und würde bei Stilllegung ein lukratives Geschäftsfeld verlieren. Wer besitzt aber nun die Aktien in dieser AG? Im TÜV-Süd gehören über 2/3 der Aktien dem TÜV e.V. Mitglieder im Verein TÜV e.V sind E.on, Vattenfall und EnBW. Im Bundesumweltministerium wurde 2008 dazu gesagt: „Die große Betreibernähe des TÜV beeinträchtigt die Qualität und Unabhängigkeit der Begutachtung.“

Wenn Krümmel nicht endgültig außer Betrieb geht, müssen wir in den nächsten Jahren das Schlimmste befürchten. Was aber überhaupt niemand, der sich mit den Hintergründen beschäftigt hat verstehen kann, ist eine Laufzeitverlängerung für Krümmel. Kürzlich wurde gemeldet, dass neue Transformatoren eingebaut wurden. Was nützen funktionierende Transformatoren, wenn der Reaktordruckbehälter unsicher ist?