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Der Trafobrand im Atomkraftwerk Krümmel 2007

Zusammenstellung unserer Presseberichte

29.06.2007

Krümmel-Unfall: Grüne fordern mehr Beachtung dezentraler Techniken

Geesthacht. Aus Anlass des erneuten Störfalls im Atomkraftwerk Krümmel fordern die Ortsververbände Geesthacht und Börnsen/Escheburg von Bündnis 90/Die Grünen, endlich der dezentralen Energieversorgung über Blockheizkraftwerke (BHKW), Windenergie und Photovoltaik mehr Beachtung zu schenken. Petra Bolte, Grünes Mitglied der Geesthachter Ratsversammlung, sagt dazu: „Die Stromerzeugung über BHKW ist nicht nur umwelt- und klimafreundlicher als Atomstrom, da sie gleichzeitig die Abwärme nutzt. Sie ist vom technischen Gesichtspunkt viel sicherer, weil viele kleine Kraftwerke den Strom einspeisen. Der Störfall zeigt erneut, dass Großkraftwerke nicht kontrollierbar sind. Der Reaktor in Krümmel weist in Deutschland die häufigsten Zwischenfälle auf. Wir finden es angesichts des erneuten Dilemmas unverantwortlich, weiterhin verlängerte Laufzeiten zu fordern.“

Klaus Tormählen vom OV Börnsen/Escheburg ergänzt: „Eine Umsetzung der dezentralen Stromerzeugung, könnte sofort in Angriff genommen werden. Dass wir bisher nur einen kleinen Anteil BHKW-Strom aufzuweisen haben, ist ein Versäumnis von Politik und Stadtwerken. Leider wurde unsere immer wieder vorgetragene Idee vom sicheren und sauberen Strom im Kreis nicht aufgegriffen. Das Vorbild Gas- und Wärmedienst Börnsen, der seit zehn Jahren BHKW betreibt, zeigt uns, dass es und wie es geht. Die Einspeisung von Strom aus Windenergie wird von den Netzbetreibern durch eine Behinderung beim Ausbau der Netze blockiert. Mit einer Aufnahme des insgesamt verfügbaren Windstroms in die Netze minimiert sich die Gefahr eines Netzkollapses, so wie er beim gestrigen Brand in Krümmel auftrat.“

Petra Bolte bemerkt zu aktuellen Geesthachter Strom-Projekten auf regenerativer Basis: „Die geplante Biogasanlage am Geesthachter Klärwerk und die umfassende Nutzung von Photovoltaik am neuen Bauhof halten wir für Schritte in die richtige Richtung. Leider werden sie von rückschrittlichen Kräften in der Geesthachter Politik in jüngster Zeit wieder in Frage gestellt.“

07.07.2007

Grüne in Sorge: Sind die Geesthachter Feuerwehrleute jetzt dioxinverseucht?
Wie weit ist die Bevölkerung betroffen?


Geesthacht. Nach der portionsweisen Herausgabe von Details zum Atomunfall in Krümmel durch den Betreiber Vattenfall ist der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen in Sorge um die Gesundheit der an der Brandbekämpfung beteiligten Feuerwehrleute. Bekanntlich entstehen bei der niedrigtemperaturigen Verbrennung von Kabelummantelungen und Hydrauliköl hochgiftige Dioxine und Furane. Wie n-tv vom 6. Juli meldet, hat inzwischen die Betreiberfirma den Nachweis von Dioxinen in den Filteranlagen am Atomreaktor bestätigt.

Nach Auskunft des Wehrführers des Kreises Herzogtum Lauenburg auf eine Anfrage der Grünen war die Feuerwehr jedoch davon ausgegangen, dass ein Vorkommen von Dioxinen nicht zu erwarten gewesen sei. Die Grünen fragen jetzt: Wurde die Feuerwehr im Vorwege von Vattenfall vor der Dioxingefahr gewarnt? Hat die Feuerwehr das Dioxinproblem nicht ernst genommen? Waren die Feuerwehrleute mit einer ausreichenden Schutzkleidung ausgestattet? Ist das Löschpersonal nach dem Einsatz entsprechend medizinisch untersucht worden? Hat es Vorkehrungen bzw. Informationen zum Schutz der von der Rauchfahne betroffenen Bevölkerung gegeben?

09.09.2007

Anfrage zum AKW-Störfall: Grüne sehen Befürchtungen bestätigt

Kiel/Ratzeburg/Geesthacht. Am 21. Juli hatte die Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen beim Landrat angefragt, ob der Trafobrand in Krümmel am 28. Juni auch zu Gefährdungen der Bevölkerung geführt hatte. Am 22. August erhielten die Grünen eine Antwort. Der Landrat verweist darin auf das Sozialministerium. Der Kreis selbst sei nicht zuständig gewesen, da kein Katastrophenfall vorgelegen hätte. In der Anlage erhielten die Grünen zwei Papiere des Sozialministeriums: das Protokoll der Ausschusssitzung vom 5. Juli und den Zwischenbericht über die Vorkommnisse bei den Störfällen in Brunsbüttel und Krümmel.

Nach gründlichem Studium der Unterlagen aus dem Ministerium erklärt Klaus Tormählen, Pressesprecher der Grünen: „Unsere Anfrage bestand aus drei Komplexen: Fall-Out, Dioxin und Information der Bevölkerung. Der Bericht geht auf alle drei Themen ein und bestätigt unsere Vermutungen über Emissionen, enthält aber eine Reihe von Ungereimtheiten.“ So sei z. B. zum Fall-Out zunächst gesagt worden, es habe keine radioaktive Freisetzung gegeben. Im Protokoll der Sozialausschusssitzung vom 5. Juli stehe aber: „Natürlich gibt es bei einer Reaktorschnellabschaltung einen kleinen Peak, weil durch das Abfahren des Reaktordruckbehälters kleinere Mengen Edelgase freigesetzt wurden, aber weit unterhalb der Grenzwerte, die vereinbart wurden“. Zum Thema Dioxin sagt Klaus Tormählen: „Im Bericht werden Messergebnisse angegeben, deren Werte zwar etwas unterhalb der Grenzwerte liegen. Aber die Existenz von Dioxin wird damit bestätigt. Es ist allerdings nicht zu erkennen, wo gemessen wurde. Zu möglichen Dioxinvorkommen wird angeführt, dass das verbrannte Kühlmittel chlorid-(PCB-)frei war. Insofern habe kein Dioxin entstehen können. Nach unserer Einschätzung geht aber die größte Gefahr beim Brand von den Kabelummantelungen aus. Der verbrannte Trafo war älterer Bauart. Folglich müssen auch die Kabelummantelungen älter und PCB-haltig gewesen sein. Davon findet sich im Bericht kein Wort.“

In einem Schreiben an das Ministerium haben die Grünen darum gebeten, eine Antwort auf die Ungereimtheiten zu bekommen. Sie fordern Zeitpunkt, Ort und Ergebnisse von Messungen bezüglich radioaktiver Stoffe. Weiterhin wünschen sich die Grünen eine Klärung der Kabelproblematik und Ergebnisse von Gesundheitsuntersuchungen der am Brand und den Aufräumarbeiten beteiligten Personen.

Zur Information der Bevölkerung führt Tormählen aus: „Die Aussage, es hätte kein Katastrophenfall vorgelegen, ist nicht ausreichend für die Untätigkeit bei der direkten Benachrichtigung der betroffenen Bevölkerung. Wer die Rauchfahne gesehen hat, muss zwangsläufig eine horrende Angst bekommen haben. Allein der Verdacht auf Emissionen hätte eine Reaktion der Behörden erfordert. Der Bericht erwähnt eine Polizeidurchsage in Grünhof. Warum wurden nicht andere in der Rauchfahne liegende Orte informiert? Aus dem Bericht ist nicht zu erkennen, ob sich in dieser Angelegenheit Polizei, Kreisverwaltung und Ministerium abgestimmt haben.“

In einem Antrag zur Kreistagssitzung am 20. September fordern die Grünen im Falle eines Störfalls im Kernkraftwerk mit dem Verdacht auf Emissionen eine direkte Information der Bevölkerung. Nach Ansicht der Grünen gibt es zum Entgegentreten einer Verunsicherung der Bevölkerung zu einer direkten und unbürokratischen Informationspolitik keine Alternative. Nur Informationen, die die Bevölkerung sofort und direkt unterrichten, könnten unnötige Erregungen und Ängste vermeiden.

13.09.2007

Information der Bevölkerung beim Störfall:
Grüne erhalten Schützenhilfe durch den Landkreis Harburg

Ratzeburg/Geesthacht. In einem Antrag zum Kreistag am 20. September möchte die Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen die Kreisverwaltung verpflichten, die betroffene Bevölkerung im Fall eines Störfalls im Kernkraftwerk Krümmel mit Verdacht auf Ausstoß gefährlicher Substanzen direkt zu informieren. Die Grünen stützen sich dabei auf die Erfahrungen beim Trafobrand vom 28. Juni, bei dem weder in Geesthacht noch im Umland eine direkte Information für die Anwohner stattgefunden hatte. Lediglich in Grünhof wurden Lautsprecherdurchsagen vorgenommen. Viele Bürger gerieten in Erregung und Angst, weil sie die riesige Rauchwolke bemerkt hatten, aber die Zusammenhänge nicht kannten. Später kamen die Meldungen dann über die Medien. Die Behörden begründen ihre Haltung damit, dass kein Katastrophenfall vorlag.

Die Grünen erhalten für ihr Anliegen jetzt Schützenhilfe aus dem Landkreis Harburg. In einem Schreiben an die Abteilung Reaktorsicherheit im Sozialministerium in Kiel verlangt der Nachbarkreis, auch „bei kerntechnischen Störfällen unterhalb der Ebene von Katastrophenfällen zeitnah ins Bild gesetzt zu werden“. Die Kieler Reaktorsicherheit hat der Bitte mit der Zusage einer Informationsübermittlung über eine Mail/Fax-Hotline entsprochen. Gleichzeitig bietet sie auch dem Kreis Herzogtum Lauenburg die Nutzung dieser Hotline. Klaus Tormählen, Pressesprecher der Grünen, meint: „Dies kommt unserem Ansinnen auf direkte Information der Bevölkerung entgegen. Der Sachstand im Störfall muss nicht mehr angefragt werden, sondern erreicht die Verwaltung zeitnah. Damit steht einer sofortigen Inkenntnissetzung der Bevölkerung nichts mehr im Wege.“ Im Schreiben der Reaktorsicherheit an den Kreis Herzogtum Lauenburg wird die Einschätzung der Grünen bestätigt. Wörtlich heißt es dort: „Ich gehe von Ihrem Einverständnis aus, dass diese Verabredung sich nicht auf jedes meldepflichtige Ereignis bezieht. In vergleichbaren Fällen wie bei den Ereignissen am 28. Juni 2007 sollten wir aber das geschilderte Informationsverfahren in Zukunft praktizieren.“