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Pressemeldung vom 26. September 2013

Knickpflege: Grüne sprechen mit Kreisbauernführern

Seedorf. Nach dem Erlass der Knickschutzverordnung im Juni gab es heftige Proteste des Bauernverbandes, insbesondere gegen die Regelung, einen 50 cm breiten Streifen am Knickfuß aus der ackerbaulichen Nutzung zu nehmen. Problematisch wurde auch die Verfügung gesehen, erst im sechsten Jahr nach dem Knicken einen Seitenschnitt zu erlauben. Im Kreis Herzogtum Lauenburg protestierten Landwirte Ende Juli in den LN, woraufhin der Landtagsabgeordnete Burkhard Peters, Bündnis 90/Die Grünen, die Maßnahme des Ministeriums verteidigte. Als Reaktion luden der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Reinhard Jahnke und dessen Kreisgeschäftsführer Peter Koll zu einem Gespräch, um ihre Probleme mit der Knickschutzverordnung aufzuzeigen.

Das Treffen hat jetzt auf dem Hof von Herrn Jahnke in Seedorf zusammen mit Marlies Fritzen, naturschutzfachliche Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion, stattgefunden. Die Gesprächspartner waren sich einig, dass sehr viele Landwirte die Knickpflege verantwortlich und auch unter dem Aspekt des Erhalts der Naturvielfalt betreiben würden. Leider gebe es aber auch Ausnahmen, wo Landwirte zu dicht an den Knickfuß heran pflügten und den seitlichen Knickschnitt viel zu weit in die Mitte der Gehölze zögen. Die Grünen hatten sich gewünscht, dass die Bauern die Knickpflege in der offenbar auch vom Bauernverband gewünschten naturschutzfachlichen Form selbst regeln könnten, insbesondere da sie die Ausfälle durch Ausgleichszahlungen aus EU-Mitteln kompensiert bekämen.

An dem auf dem Hof Jahnke vorgezeigten und vorbildlich gepflegten Knick wurde aber auch ersichtlich, dass Zeitraum für die 6-Jahresregelung für den Rückschnitt an schnellwüchsigen Gehölzen möglicherweise zu lang gefasst ist. Schon nach vier Jahren würden die Äste seitlich zu weit herauswachsen. Die Anlage des 50 cm breiten Saumstreifens wurde von den Landwirten eher nur für kleinere Felder kritisch gesehen, da sich diese dort zu einer größeren Gesamtfläche summierten. Da die freiwillige Regelung offenbar nicht immer funktioniere, hätte die Politik jetzt eingreifen müssen, so Marlies Fritzen.

Burkhard Peters resümiert: „Das Gespräch war gut und wichtig, die Atmosphäre sachlich und ergebnisorientiert. Darüber freuen wir uns. Wir haben durchaus Kooperationsbereitschaft gespürt und den Eindruck gewonnen, dass auch den Bauern an einer naturnahen Knickpflege gelegen ist. Offene Fragen und möglicherweise auftretende Probleme bei der Umsetzung der neuen Knickschutzbestimmungen können sicher gelöst werden. Das Ministerium hat dazu bereits eine Arbeitsgruppe unter Führung des Landesnaturschutzbeauftragten eingesetzt, die sich die Situationen vor Ort anschauen und ggf. Verbesserungsvorschläge erarbeiten wird.“

Marlies Fritzen ergänzt: „Insgesamt setzen wir uns als Grüne dafür ein, dass Landwirte im Rahmen der neuen Agrarförderung stärker für Ihre Arbeit für mehr Natur- und Artenschutz bezahlt werden. Dazu müssten mehr Mittel von der ersten Säule (Direktzahlungen an die Landwirte) in die zweite Säule umgeschichtet werden, aus denen diese Gemeinwohlleistungen honoriert werden. Erhalt und Pflege unserer wunderschönen schleswig-holsteinischen Kulturlandschaft kann nur mit den Landwirten gelingen. Für uns Grüne ist aber auch klar, dass Freiwilligkeit alleine nicht zum Ziel führt. Verbindliche Standards schaffen hier eine klare Grundlage, die für alle gelten und nicht diejenigen benachteiligen, die ohnehin – wie wir bei Herrn Jahnke gesehen haben – vorbildlich arbeiten.“