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Pressemeldung vom 18. September 2012

Grüne verlangen Antwort zur Sucht- und Schuldenproblematik im Jugendbereich

Ratzeburg/Geesthacht. Als Folge der Schuldenproblematik im Kreishaushalt wollen die Mehrheitsparteien im Kreistag weitere Kürzungen bei der Suchthilfe, der Schuldnerberatung sowie auch bei Jugend-, Sport- und Frauenverbänden vornehmen. Nach Ansicht der Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen ist dies eine folgenschwere Fehlentscheidung. Dazu sagt Klaus Tormählen für die Fraktion der Grünen: „Kürzungen bei präventiven Maßnahmen werden die Belastungen in den nächsten Jahren um ein Vielfaches erhöhen. Schon jetzt steigen allein bei der Alkoholsucht die Folgekosten pro Jahr unaufhörlich. Sie liegen deutschlandweit nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtgefahren bei mindestens 20 Milliarden Euro. Herunter gerechnet auf die Einwohnerzahl des Kreises sind das 45 Millionen Euro – pro Jahr allein in unserem Kreis.“

Die Fraktion der Grünen hat zur Kreistagssitzung in dieser Woche einen Antrag eingereicht, der Antworten auf die Problematik von Alkohol- und Drogensucht, Privatverschuldung und Jugendhilfe sowie dessen Verzahnung geben soll. Die Grünen verlangen dazu eine Anhörung mit Fachkräften über Zusammenhänge, Folgekosten und Zuständigkeit bei der Prävention. Ziel einer solchen Tagung sollen Erörterung und Darstellung von Lösungsansätzen folgender Komplexe sein: Ursachen und Zusammenhänge, Folgekosten und betroffene Haushalte, die Rolle von Kreisen und Kommunen bei Prävention und therapeutischer Hilfe, Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Krankenkassen und Jobcenter.

Tormählen: „Auch wenn es viele andere Erfordernisse gibt, die Suchtproblematik in den Griff zu bekommen, so soll unser Antrag zunächst vorwiegend auf die Kosten zielen. Diese beziffern sich allein durch vorbeugende und betreuende Maßnahmen laut oben genannter Quelle für den Kreis auf mindestens 1,3 Millionen Euro pro Jahr. An der Schnittstelle Betreuung und Prävention zeigt sich die Verzahnung mit der Jugendhilfe. Die Fallzahlen und Kosten in der Jugendhilfe steigen ständig. Abgesehen von den finanziellen Folgen besteht hier auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der sich kein Kommunalpolitiker entziehen darf. Die Kosten für die Jugendhilfe im Kreis Herzogtum Lauenburg sind von 11,5 Millionen Euro in 2008 auf knapp 18 Millionen Euro in 2012 gestiegen.“
Zur Schuldenproblematik sagt die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag, Annedore Granz: „Hier sieht die Situation zwar anders aus. Die Folgen von Zahlungsunfähigkeit tragen zunächst Firmen, Banken oder Familienmitglieder. Ursache einer Verschuldung ist aber häufig eine persönlichkeits- bzw. psychisch bedingte Schwäche, die sich durch Störungen im familiären Umfeld entwickelt hat. Zahlungsunfähigkeit auf Grund persönlichkeitsbedingter Störungen hat oft dauernde Arbeitslosigkeit mit einem Potential für Sucht zur Folge.“

Resümee der Fraktion der Grünen: „Betreuung und Prävention sind kommunale Aufgaben. Es ist nicht möglich und auch nicht vorgesehen, dies von zentraler Seite in Bund und Land zu steuern. Hauptkostenträger sind die Kassen und die Bundesanstalt für Arbeit (BFA). Es macht Sinn, wenn Bund und Land Modelle mit dem Ziel der Kostenbeteiligung von Kassen und BFA erstellen, die den Kommunen Betreuung und Prävention unabhängig von der Haushaltslage ermöglichen.“