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Pressemeldung vom 5. Mai 2011

Grüne diskutieren über Alternativen zur Atomenergie

Mölln. „Die Energierevolution ist nötig und möglich“ war das Motto einer Veranstaltung des Kreisverbandes von Bündnis 90/Die Grünen am 5. Mai in Mölln über die aktuelle Lage und die Zukunft der Wärme- und Stromversorgung ohne Atomenergie mit Schwerpunkt auf dem Kreis Herzogtum Lauenburg. Mit der Bundestagsabgeordneten Dr. Valerie Wilms hatten die Grünen eine in Energiefragen versierte Referentin gewonnen. Die Fragen der Landwirtschaft vertrat Bernd Voss, agrarpolitischer Sprecher der Grünen Landtagsfraktion. Weiterhin boten die Grünen Betreiber von Biogasanlagen und Blockheizkraftwerken aus dem Kreis auf, die über ihre in den letzten Monaten auf den Weg gebrachten Energieprojekte berichteten. Die Gesprächsführung hatte der Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz aus Mölln.Ca

. 60 Besucher verfolgten die teilweise kontroverse Diskussion um die Zukunft der Versorgung ohne Atom und Kohle, um den Strompreis, Speichertechniken und um Projekte im Kreis Herzogtum Lauenburg, die Beiträge zur Energiewende auf den Weg gebracht haben. Die Kernthesen von Valerie Wilms: „Tschernobyl und Fukushima haben gezeigt, dass ein GAU kein Restrisiko ist. Als Folge eines GAUs verlieren Hunderttausende ihre Heimat. Wir müssen zur Vermeidung dieser Risiken unser Energiesystem radikal umbauen. Es ist gesellschaftlicher Konsens, dass die Basis für den Umbau 100 Prozent erneuerbare Energien sein müssen. Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) ist suboptimal, es muss umgestaltet werden. Die Basis dazu müssen bezahlbare Energieerzeugung und Nachhaltigkeit sein, ökonomisch und ökologisch vertretbar.“Zur

technischen Umsetzung sagte Wilms: „Die Grundlast für die Stromversorgung ist schon vorhanden. Als Aufgabe für die Zukunft gilt, in jeder Situation die benötigte Leistung bereitzustellen. Dazu müssen die Netze und Speicher ausgebaut werden. Wichtiger Faktor sind regalbare Gaskraftwerke zunächst noch auf Erdgasbasis, später mit Biogas und Windgas (Gas, das aus überschüssigem Windstrom erzeugt wird).“ Die Revolution auf dem Stromsektor sieht Valerie Wilms in der Einhaltung des folgenden Rahmens: Jederzeit hinreichend Strom, keine Preissteigerung, Klimaschutz (keine neuen Kohlekraftwerke), keine Risiken (wie Kohlenstoffverpressung) und Kreislaufwirtschaft.Bernd

Voß ist auf den Beitrag der Landwirtschaft bei der Umsetzung von Pflanzen- und Reststoffen in Biogas eingegangen. Biogas könne drei AKW ersetzen. Die Gülleverwertung müsse gefördert werden. Die Gesamtmenge Gülle könne bei vollständiger Verstromung in SH zwei AKW ersetzen. Das Baurecht mit der Privilegierung des Bauens im Außenbereich müsse in Bezug auf Biogasanlagen neu gefasst werden, um ein Ausufern der Bautätigkeit auf dem Acker zu begrenzen.Viel Bea

chtung fand die Darstellung der regionalen Projekte. In Labenz ist eine große Biogasanlage entstanden, die Sandesneben und Klinkrade über Gasleitungen und Blockheizkraftwerke (BHKW) vor Ort mit Nahwärme versorgt. Während in Sandesneben nur die Schule und das Umfeld angeschlossen sind, haben sich in Klinkrade ca. 40 Prozent der Haushalte eine Leitung legen lassen. Durch die relativ geringe Beteiligung befindet sich das Projekt Klinkrade an der Grenze der Wirtschaftlichkeit. In Bälau hat ein Landwirt seine Biogasanlage über eine Leitung an das BHKW auf dem Möllner Schulberg angeschlossen. Dort werden alle Schulen in der Nähe und weitere Gebäude mit Wärme versorgt. Die genannten Biogasanlagen verwerten auch beträchtliche Mengen Reststoffe wie Gülle und Mist. Die BHKW erzeugen neben Wärme auch Strom. In Labenz hat sich eine Genossenschaft gegründet, die ein Solardach auf dem Bürgerhaus betreibt.In der Dis

kussion wurden Fragen über Wärmenutzung, Energie sparen, Photovoltaik-Freiflächenanlagen, Bodennutzung durch Energiepflanzen, Wirkungsgrad von Energiepflanzen und die Weiterentwicklung des EEG an die Referenten herangetragen. Dazu einige Antworten: "Biogaserzeugung ohne Wärmenutzung gehört nicht auf den Markt", "Wir fordern seit langem politische Konzepte zur Energieeffizienz und Stromsparen (Deutschland wehrt sich auf EU-Ebene gegen jede Sparmaßnahmen)", "Zentraler Bestandteil zukünftiger Energieplanung sind Wärmenetze", "Die Nachsteuerung des EEG muss absoluten Vorrang haben", "Für uns Landwirte ist der Boden das höchste Gut, weshalb wir uns auf schädliche Wirtschaftsweisen nicht einlassen", "Die Technik zur Biogasgewinnung wird sich weiterentwickeln", "Wir dürfen kleine Projekte nicht kaputt machen" und "Planungssicherheit ist für die Akteure absolut wichtig, EEG-Verträge sind Geschäftsmodelle für 20 Jahre".