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Pressemeldung 23. August 2010

Energie aus Mais: Grüne laden zum Bürgergespräch mit Fachleuten

Mölln/Krummesse/Wangelau. Eine besondere Förderung macht es möglich: Der Bau von Biogasanlagen zur Erzeugung von Energie auf Maisbasis boomt. Das erzeugte Gas kann entweder sofort in einem Blockheizkraftwerk verstromt und zur Wärmeerzeugung genutzt bzw. zur späteren Verwendung in das Gasnetz eingespeist werden. Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) gewährt für einen Zeitraum von 20 Jahren nach Inbetriebnahme bei Anlagen bis zu einer Leistung von 500 Kilowatt (kW) einen Grundbonus von 6 Cent pro Kilowattstunde. Anlagen bis 5000 kW erhalten 4 Cent. Dazu kommt ein Aufschlag für Strom von 7 bzw. 4 Cent. Bei Anlagen bis 150 kW wird die Gülleverwertung mit 4 Cent bewertet. Gerade die hohe Stromvergütung führt dazu, dass sich der Betrieb von Anlagen auch ohne Nutzung der anfallenden Wärme, die allein zwei Drittel der umgesetzten Gesamtenergie ausmacht, lohnt.

Im Kreis Herzogtum Lauenburg sind in den letzten Jahren sieben Gärkammern gebaut worden und über zehn weitere geplant. In Labenz, Lanken, Sterley (3 Anlagen), Havekost und Schnakenbek laufen Betriebe unterschiedlicher Größe. Im Bau bzw. geplant sind Anlagen in Krummesse, Rondeshagen, Mechow, Labenz, Bälau, Grove, Havekost, Tramm, Siebeneichen, Büchen, Fitzen, Wangelau, Lütau und Buchhorst. Ob die Pläne auch alle umgesetzt werden, ist nicht sicher. In einigen Orten formiert sich Widerstand. Der Betrieb von Biogasanlagen auf Maisbasis wird von vielen Bürgern kritisch gesehen. Hauptpunkt sind die während der Erntezeit notwendigen vermehrten Fahrten von Großfahrzeugen durch die Dörfer. Teilweise wird das Erntegut aus großen Entfernungen herbeigebracht.

Auf Grund der Brisanz in einigen Orten und der fortschreitenden Planungen bemüht sich der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen um vermittelnde Gespräche. In einer Informations- und Diskussionsveranstaltung bringen die Grünen Anlagenbauer und Kritiker an einen Tisch. Eine Beteiligung von Bürgerinitiativen ist nicht direkt vorgesehen, doch gehen die Grünen davon aus, dass sich die Kritiker in der Diskussion zu Wort melden. Die Grünen selbst bieten mit politischen Vertretern aus Schleswig-Holstein prominenten Sachverstand auf. Die Bundestagsabgeordnete und energiepolitische Sprecherin in Berlin, Ingrid Nestle, wird zu Fakten und der Bedeutung von Biogas im Energiemix Stellung nehmen sowie die Grenzen des Maisbooms aufzeigen. Der Landwirt und Landtagsabgeordnete Bernd Voss vertritt die Sicht der Landwirtschaft und des Landschaftsschutzes. Auf dem Podium werden heimische Anlagenbauer und Planer ihre Konzepte erläutern und zu Fragen aus dem Publikum zur Verfügung stehen. Das Energiemodell Krummesse wird von Prof. Jürgen Rosenfeldt von der FH Lübeck und Torsten Bastian vorgestellt. Aus Wangelau kommt der Anlagenbetreiber und Landwirt Thomas Koch, bekannt auch durch den von ihm betriebenen Erlebnisbauernhof. Seine 20-jährigen Erfahrungen mit dem Bau von Biogasanlagen wird der Behlendorfer Landwirt Hubert Hümme einbringen. Zur Sichtweise der Landwirtschaft nimmt der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, Peter Koll, Stellung. Von der Kreisjägerschaft wird der Problemkreis „Schwarzwildmast im Maisfeld" thematisiert.

Die Sichtweise der Grünen erläutert der Bundestagsabgeordnete, Konstantin von Notz aus Mölln: „Wir stehen der Erzeugung von Biogas aus Pflanzen vom Acker im Prinzip nicht ablehnend gegenüber. Die Nutzung der Biomasse bildet ein wichtiges Standbein der erneuerbaren Energieerzeugung. Allerdings gibt es dabei Fehlentwicklungen, die unbedingt vermieden werden müssen. Der Hauptproblempunkt für uns sind Anlagen, in denen nur Strom erzeugt und die Wärme nicht genutzt wird. Es macht keinen Sinn, mit aufwendigem Pestizid- und Düngereinsatz ein Erntegut zu erzeugen, von dem am Ende zwei Drittel wieder vernichtet wird. Wegen des nicht benötigten Wärmeüberhangs im Sommer ist es wichtig, dass die Speichertechniken für Überschusswärme genutzt und verbessert werden. Ein weiterer Knackpunkt ist für uns die Größe der Anlage. Schon 500 kW benötigen 200 Hektar Maisanbau. Das wäre die gesamte Fläche von zwei typischen Höfen im Kreis. Überdimensionierte und industriell betriebene Anlagen erhöhen die Nachfrage nach Ackerflächen, was den Lebensmittelanbau und die Rückzugsflächen für die Natur gefährdet. Im Falle von Lieferengpässen, wie sie schon in diesem Jahr durch eine erwartete Minderernte drohen, könnten Insolvenz und die Übernahme durch große Energiekonzerne die Folge sein. Dies darf nicht eintreten. Deshalb sind bäuerliche Betreiber, für die Biogas nur ein Standbein ist, für uns der richtungsweisende Ansatz. Absolut vermieden werden müssen flächendeckende Monokultur, Bodenerosion und Grundwasserbelastung."

Die Veranstaltung findet am Mittwoch, 1. September, im Hotel Quellenhof, 23879 Mölln, Hindenburgstraße 16 und beginnt um 19.30 Uhr.