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Pressemeldung 28. Februar 2008

Wachsende Armut:
Welche Rolle spielen die Zinsen?

Schwarzenbek. Das Thema Armut und Reichtum erhitzt derzeit auf vielen Ebenen die Gemüter. Da gibt es auf der einen Seite die Hartz IV-Problematik mit der Facette der Kinderarmut. Auf der anderen Seite wächst die Zahl der Millionäre, die ihr Geld an der Steuer vorbei im Steuerparadies parken. Der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen wollte mit Unterstützung des DGB Nord und des Bündnisses für Kinderarmut Lauenburg diesem komplexen Thema nachgehen und hatte sich dazu am Dienstag dem 26. Februar den Wirtschaftsprofessor und Buchautor Dr. Bernd Senf aus Berlin in den Festsaal des Rathauses Schwarzenbek eingeladen.

In einem lebhaften Vortrag stellte Bernd Senf aus seiner Sicht Ursachen und Lösungsmöglichkeiten des anwachsenden Gegensatzes Arm/Reich und mögliche gesellschaftliche Konsequenzen dar. Das Hauptproblem liege im Geldfluss, so Bernd Senf. Wird dieser auf Grund von Überschüssen bei vermögenden Menschen durch Hortung gebremst, so folgen daraus zurückgehender Konsum, Arbeitslosigkeit, Firmenzusammenbrüche bzw. Firmenzusammenschlüsse, Rationalisierung und Arbeitslosigkeit. Eine Verschärfung entstehe durch das Zinssystem. Die Ansparung von Vermögen bewirke eine ebenso große Menge von Schulden. Die Schere zwischen Vermögen und Schulden klaffe dann irgendwann so weit auseinander, dass ein Crash nicht mehr zu verhindern sei. Als Beispiel nannte Senf die Währungsreformen des letzten Jahrhunderts. Es bleibe aber unklar, wann und wie sich ein neuer Crash zeigen werde. Ein weiteres volkswirtschaftliches Problem entsteht laut Senf durch die Geldschöpfung der Geschäftsbanken. Diese würden vielfach nicht gedecktes Papiergeld („Giralgeld") in Umlauf bringen. Wenn dann Gläubiger vermehrt ihre Einsparungen zurückverlangten, so würden die Banken auf Grund von Zahlungsunfähigkeit wegen der nicht gedeckten Papiere in die Insolvenz getrieben. Einziger Ausweg: Milliardenkredite durch die Staats-(Zentral-)banken. Diese seien allerdings häufig Privatbanken (wie die FED in den USA) und würden daher nicht Allgemeinheits- sondern Privatinteresse verfolgen.

Ca. 70 Zuhörer lauschten dem etwa drei Stunden dauernden Vortrag. Der Wirtschaftswissenschaftler hat mit seinen Ausführungen Betroffenheit erzeugt. Als Maßnahmen gegen einen drohenden Zusammenbruch zeigte Senf drei Möglichkeiten auf: 1. Die Zentralbanken müssen eine stabile Geldmenge garantieren; hier sei die Politik gefordert. Das Privileg der Geldschöpfung dürfe nicht bei den Geschäftsbanken liegen. 2. Freiwillige oder politisch über Abgaben gesteuerte Rücktransfers von ausuferndem Vermögen. 3. Zinslose Geldwirtschaft - das Zurückfließen in den Wirtschaftskreislauf muss durch geeignete Maßnahmen politisch abgesichert werden.